21. April 2020 /

Selig, die nicht sehen und doch glauben.

Verstehen kann ich ihn gut, den Thomas der Hl. Schrift. Schon manchmal habe ich mich durch Gerüchte oder durch Wahrheitsbehauptungen anderer anstecken lassen, auch wenn sie sich ziemlich unglaublich anhörten. Oft ist ja mit solchen Meldungen auch eine Sehnsucht verbunden, es möge doch so sein, wie erzählt wird.

Da ist es gut, noch einmal einen Schritt zurück zu treten und Luft zu holen – oder eben auch zu versuchen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Und was könnte dazu dienlicher sein, als das sehen zu können, was die sahen, die die Geschichte in die Welt setzten?

Thomas hatte es gut. Er konnte mit allen Sinnen wahrnehmen, dass dieser Jesus nicht im Tod geblieben war, sondern lebte: er konnte sehen und ertasten, dass es kein Traum oder Hirngespinst war, was ihm die Freunde berichtet hatten.

Wir haben diese Botschaft, verzeichnet in einem Buch, aufgeschrieben lange nach dem Geschehnis an sich. Buchstaben. Aber sehnen wir uns nicht auch nach dem Erfühlen, Begreifen, danach, dass uns diese Botschaft „in Fleisch und Blut“ begegnet, lebendig, zum Anfassen, erfahrbar? Viele von uns – Gott sei Dank - werden so etwas erfahren haben: eine liebende Begegnung, die das Leben verändert, die das Beste in uns in Bewegung setzt, die den Glauben an das Leben, das Heil, das Gott für uns will, leicht macht und die plötzlich weiß, dass diese Liebe kein irdisches Ende finden  k a n n .

Was aber mit denen, die so eine im Tiefsten berührende Liebe nie erfahren haben, vielleicht nie erfahren werden? Reicht es, dass wir ihnen sagen: da ist aber Gott, der dich liebt? Sie werden es nicht spüren können.
Aber vielleicht spüren sie in ihrem Herzen die Sehnsucht, dass es so sein möge. Und ihnen gilt das Selig-Wort Jesu: 

Trau deiner tiefsten Sehnsucht, dass die Botschaft vom Leben, von der Auferstehung stimmt. Gott führt dich nicht in die Irre! Selig bist du, auch wenn du es nicht siehst, es nicht sinnfällig spürst: Ich, der auferstanden ist, lebe, und auch du sollst leben.

Selig, die nicht sehen und doch glauben!