23. April 2020 /

Jetzt die Zeit nutzen zum Nachdenken

Wann ist endlich alles wieder wie vor Corona, alles wieder wie gewohnt? - Diese Frage hört man jetzt oft, auch in der Kirche. Meine These dazu: Nie mehr. Leben heißt, sich ständig verändern, bestenfalls sich weiterentwickeln. Wenn wir nach Corona noch genauso leben und glauben wie vorher haben wir etwas versäumt: Die Zeit der  Entschleunigung jetzt sinnvoll zu nutzen, beispielsweise  zum Nachdenken über Grundsätzliches meines Glaubens.

Darf man nicht? Ist über Jahrtausende ja alles institutionell „geregelt“? Jesus ging 40 Tage in die Wüste und hat nach- und neugedacht - nutzen wir unsere heutige „Wüstenzeit“, nicht für Aktionismus, sondern zum ehrlichen „In-Frage-stellen“, beispielsweise von alt bekannten Ritualen, die wir automatisch „erledigen“.

 Beispiel gefällig? Livestream- Osternachtgottesdienst unserer VG: Das volle Programm, würdevoll, andächtig. Je länger die Messe wurde umso weniger war ich "drin". Die gestaltete Liturgie hat mir persönlich die aus meiner Sicht wichtigste Botschaft dieser Nacht verschüttet: Die Freude, dass ER auferstanden ist! Da hilft zum Schluss auch kein Osterwitz als verordnetes Lachen.

Jesus sein „Werdet wie die Kinder“ kommt mir da in den Sinn: Wenn ein Kind sein Lieblingsspielzeug verloren hat und nach 3 Tagen wiederfindet - jubeln, klatschen, freudestrahlend - für alle, auch Unbeteiligte, sofort erkenn- und erlebbar, und: Mitreißend! Und bei uns? Wo es doch hier um viel mehr geht? Nicht mal ansatzweise für mich spürbar. Die äußere Form erscheint mir wichtiger zu sein als die Botschaft. Für mich lautet Jesu Kernbotschaft: Liebt GOTT,  liebt einander, liebt euren Nächsten (was meint: Dem ich im täglichen Leben begegne).

Alles andere Drumherum ist für mich Mittel zum Zwecke der Verdeutlichung dieser frohmachenden Botschaft. Es ist sicherlich leichter, im Altgewohnten zu bleiben, weil nachdenken und den Grund hinterfragen zu Zweifeln führt. Letztendlich halten diese uns aber am und im (Glaubens)Leben.

Nachdenken und offenes Reden darüber wünschenswert? Aus meiner Sicht schon. "Das ist aber nicht katholisch" - vielleicht, aber ur-christlich, denn um Christus geht es doch, oder?