28. April 2020 /

„Du bleibst da – ist auch wichtig“

Kennen Sie die TV-Sendung „Mord mit Aussicht“? Ich mag diese Krimiserie aus einem
verschlafenen Nest in der Eiffel. Leider wird sie nicht mehr produziert, aber im späten
Abendprogramm kann man regelmäßig Wiederholungen sehen und das „Mann, Mann, Mann“ von
Kommissar Scheffer lustvoll mitsprechen. In der Sendung gibt es eine weitere feste Redewendung,
an die ich jetzt öfter denken muss: Brechen die Hauptkommissarin Sophie Haas und ein
Teammitglied zu einer Ermittlung außer Haus auf, wird dem oder der im Büro Verbleibenden
gesagt: „Du bleibst da – ist auch wichtig.“

So fühle ich mich inzwischen oft: Ich bleibe da, während draußen das Leben läuft, während
fundamentale Dinge getan, entschieden, besprochen werden. Ich bleibe da, während Begegnung
stattfindet. Ich bleibe da, während Momente höchster Freude und oder tiefsten Leides geschehen.
Ich bleibe da. Was mache ich „da“? Was daran „ist auch wichtig“?

Der (umstrittene) deutsche Philosoph Martin Heidegger hat in seinem Hauptwerk „Sein und Zeit“
vom Menschen mit dem Begriff des „Daseins“ gesprochen, um Menschsein ganz neu denken zu
können. Jedes Dasein vollzieht sich laut Heidegger im „Sorgen“, damit meint er sowohl den
Selbstbezug, als auch den Bezug zur Umwelt und zum Mitmenschen, das Ringen um den Sinn des
jeweiligen Daseins.

Erhält mein Dableiben von dieser Sorge her Wert? Wird mein Dableiben so wichtig?

Ich bleibe da: um andere und mich nicht anzustecken.
Ich bleibe da: um erreichbar für Anfragen, Aufträge zu sein.
Ich bleibe da: um meine Berufstätigkeit so gut es geht von zu Hause aus zu erledigen.
Ich bleibe da: um das Abarbeiten von Aufgaben anzuschieben, zu organisieren, zu kontrollieren.
Ich bleibe da: um die Nähmaschine rattern zu lassen.
Ich bleibe da: um mit köstlichen Mittagessen, Backwaren, Aufstrichen, Salaten die Moral aufrecht
zu halten.
Ich bleibe da: um über alle Kommunikationswege (außer Brieftauben) in Kontakt zu bleiben.
Ich bleibe da: um den Garten zu gießen.
Ich bleibe da: um zu träumen für eine Zeit, wenn „das hier“ vorbei ist.

Sicher fällt Ihnen auch etwas ein, wofür Sie dableiben. Wie geht es Ihnen damit?
Wenn ich das so sehe, mein Dableiben voller Sorge für mich und meine Umwelt. Es hat Sinn und
Wert. Kann ich mich dann noch – ich gebe zu, selten genug – von Gott an genau diesen Platz
gestellt betrachten, so vermag ich aus tiefem Herzen zu sagen, „Ja, mein Dableiben ist auch
wichtig“.