02. Mai 2020 /

Wer nichts macht ...

Als Kind träumte ich oft von einer Zeitmaschine. Es war mir egal, ob sie mich in die Zukunft oder in die Vergangenheit beamen konnte. Hauptsache, sie konnte mich auch wieder sicher zurückbringen.

In den letzten Wochen habe ich mich mehrfach beim Tagträumen erwischt. Von einer etwas anderen Zeitmaschine, einer, die mich einige Jahre weiter in der Zukunft schickt und mich von dort auf unser Heute blicken lässt.  Warum? Ich möchte so gern wissen, welche der manchmal im Minutentakt fallenden, oft unkoordinierten Entscheidungen sich als richtig oder falsch erweist, als überflüssig oder notwendig, als „promoted“ von Lobbyisten oder aus ehrlicher Überzeugung schweren Herzens gefällt. Oder irgendetwas zwischen diesen Polen. Welche meiner eigenen Entscheidungen ist richtig? Gibt es ein „Richtig ODER falsch“?

Mein Tagtraum wird ein Traum bleiben.

„Wir fahren auf Sicht“, diesen von Kapitänen aller Art entlehnten Satz hört man heute ständig. Befriedigend ist er nicht. Aber ist er wenigstens (meistens) ehrlich?

„Auf Sicht Fahren“ ist eine Form von verantworteter Bewegung, kein Treibenlassen, kein Wegschieben, keine Apathie. Der Satz „Nur wer nichts macht, macht nichts falsch“, ein – öfters auch von mir - zitierter Spruch, hat einen leicht abschätzigen Unterton. Positiver ist: Wer etwas zu machen versucht, nutzt die Chance, etwas richtig zu machen. Für mich ist das eine Deutung des Gleichnisses von den zehn Talenten.

Um bei den Sprüchen zu bleiben: Die Benediktiner haben sich anderthalb Jahrtausende lang von „Ora et labora“ leiten lassen und damit ganz wesentlich die europäische Kultur und auch unser Land geprägt. Diesem Leitspruch kann ich sehr viel abgewinnen. Das kleine „et“ in der Mitte hat für mich ein spürbar größer gewordenes Gewicht bekommen; es ist gleichberechtigt zwischen den großen, nur scheinbaren Antipoden.