Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Gemeinde,

st antonius pfarrerich habe einen Traum (I have a dream). Diese gut bekannten Worte der Predigt von Martin Luther King habe ich bewusst für mein Grußwort gewählt. Was bewegt mich, was beschäftigt mich, was macht mir Sorgen, was freut mich, worüber mache ich mir Gedanken? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: Erkundungsprozess, ein Wort mit einem gewaltigen Inhalt...

Ich versuche, mir bewusst zu machen was es für mich beinhaltet. Unsere Welt verändert sich. Das ist normal, das ist gut und das ist notwendig, denn die Veränderung ist eine Eigenschaft und ein Zeichen des Lebens und der Lebendigkeit. Jemand oder etwas, das sich nicht ändert, ist wahrscheinlich tot. Aber die Veränderung, Neues zuzulassen, sich auf etwas Neues einzulassen, ist überhaupt nicht einfach und nicht leicht. Wie soll man also mit der unveränderlichen Tatsache der Veränderung umgehen? So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich sind auch die Antworten. Ich persönlich erkenne zwei grundsätzliche Tendenzen. Man kann versuchen diese Tatsache zu leugnen, die Augen verschließen und hoffen, dass man davon verschont bleibt. Es kommt aber trotzdem, trifft uns überraschend in einem ungünstigen Moment und erzwingt neue Lösungen, die weit entfernt sind von unseren Wunschvorstellungen.

Man kann andererseits versuchen zu agieren die Zukunft vorausschauend planen, versuchen sie zu steuern und zu gestalten, um nicht überrascht zu werden und sich unangenehme Nebenwirkungen zu sparen. Aber kann man alles im Leben kontrollieren und sicher sein, dass wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sind und uns nichts mehr überraschen kann? Bei dem Erkundungsprozess in unserem Bistum erkenne ich beide Einstellungen. Es gibt auch in unserer Gemeinde die Tendenz zu sagen: „es kommt was es kommt“ oder „im Augenblick läuft noch alles gut“, „wenn es so weit ist, müssen wir etwas tun“ (reagieren). Andererseits wird gesagt: „wir müssen vorbereitet sein und die Zukunft unserer Gemeinde schon jetzt gestallten, um sich nicht von den Entwicklungen überraschen zu lassen und die negativen Effekte zu vermeiden“. Natürlich entsteht die Frage, wer gestaltet was und wie? Wer ist zuständig und verantwortlich? Wer entscheidet? Der Erkundungsprozess in unserem Bistum soll für alle Beteiligten (egal nach welchem Model) eine Plattform sein, auf der diskutiert, gestritten, geträumt und gestaltet wird. Ich habe einen Traum von einem Erkundungsprozess an dem Alle teilnehmen. Alle, denen Ihr Christsein, ihre Gemeinde und ihre Kirche wichtig sind. Ich habe einen Traum, dass es kein „ihr“ und „wir“, kein Gegeneinander, sonder ein Miteinander gibt. Ich habe einen Traum, dass sich alle mit ihren Ideen, ihren Visionen und ihren Wünschen an dem Erkundungsprozess beteiligen. Das wir ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben, ohne Angst zu haben etwas Falsches zu sagen. Ich habe einen Traum, dass alles gesagt werden darf, positives und negatives, Vor- und Nachteile, kritisch und lobend, kreativ und konstruktiv, ohne vorgefertigte Patente, Rezepten oder Lösungen. Ich habe einen Traum, dass es bei dem Erkundungsprozess nicht nur um Strukturen und Finanzen geht, sondern um eine spirituelle Erneuerung. Ich habe einen Traum, dass wir bei dem Prozess nicht aus den Augen verlieren, worum es geht. Nicht um die Macht und Einfluss, nicht um Geld und Titel, nicht um Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit. Es geht nicht darum Recht zu haben oder wer Recht hat. Es geht darum, Zeuge Jesu Christi in der heutigen Welt zu sein und die Gemeinschaft seiner Zeugen so zugestalten, dass sie am effizientesten ihre Aufgabe erfüllen kann. Diesen Traum habe ich. Bleibt es nur ein Traum? Diese ein paar unvollkommene Gedanken sollen etwas von dem schildern, wovon in diesen Tagen mein Herz voll ist. Schreiben war nie meine Stärke, ich bin ein Redner, deshalb wurde mit diesem Text nur versucht, einiges anzusprechen und anzuregen. Das Beispiel von Martin Luther King zeigt, dass es sich zu träumen loht. Das macht mir Mut und ich hoffe Sie /euch alle mit diesem Mut anzustecken.

Ihr Pfarrer
P. Sławomir Rakus SVD

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