Liebe Schwestern und Brüder,
Liebe Gemeinde,

st antonius pfarrer

Der Erkundungsprozess ist in unserem Bistum und in unseren Gemeinden bereits längere Zeit im Gange. Manchmal habe ich den Eindruck (vielleicht täusche ich mich), er wäre etwas eingeschlafen oder zu einem notwendigen Übel geworden, so dass man ihm keine Beachtung mehr schenkt. Wie auch immer, es wäre aus meiner Sicht schade, wenn wir das Anliegen dieses Prozesses aus den Augen verlören. Bei der Erneuerung des Gemeindelebens (dem eigentlichen Sinn des Erkundungsprozesses) sollen wir uns fragen, wofür wir als Kirche da sind? Wen wollen wir ansprechen? Was kann uns helfen, Menschen für Christus zu begeistern? Kreative Antworten auf diese Fragen und mutige, schnelle Schritte sollen den Prozess begleiten. Wir stellen aber immer wieder fest, dass es Dinge gibt, die uns daran hindern und unsere Schritte verlangsamen. Woran liegt das?

Diese Zeilen sind ein Versuch eine Antwort auf diese Frage zu finden. In einer sich verändernden Gesellschaft, die nicht nur durch die neuen Kommunikationsmitteln und die Schnelllebigkeit, sondern auch durch die sich ändernden Bedürfnisse der Menschen gekennzeichnet ist, erscheinen die heutigen Formen des Gemeindelebens für viele als anachronistisch und nicht ansprechend.

Bei einer Besinnung, die ich einmal gemacht habe, benutzte der Leiter das Bild eines „Busses“, um uns das Phänomen zu erklären. Die heutigen Formen des Gemeindelebens spiegeln das wieder, was viele Jahrzehnte in der Kirche galt und gelebt wurde. Man nannte es die Volkskirche. Die Volkskirche umfasste alle Bereiche des menschlichen Lebens und begleitete die Menschen von der Wiege bis zur Bahre mit verschiedensten Angeboten in Vereinen und Gruppen. In der Pfarrei fand man im Prinzip alles, was man für das Glaubens- und Gesellschaftsleben brauchte. Es ist vergleichbar mit einem Reisebus. Man steigt als eine organisierte Gruppe am Anfang der Reise (Taufe) hinein, nach einer gewissen Zeit kennt man den Fahrer und alle Reisenden, die Route und die Sehenswürdigkeiten sind geplant, für Unterkunft und Verpflegung ist gesorgt, das Ziel ist klar und die Aufgaben auf der Reise verteilt. Während der Reise ist man wie „eine Familie“. Man verlässt den Bus erst am Ende der Reise, wenn man das Ziel erreicht hat.

Die jungen Menschen heute leben anders. Sie haben andere Bedürfnisse. Sie sind an einer Reise in einem Reisebus nicht interessiert. Ihre Bedürfnisse sind vielmehr mit einer Reise in einem Linienbus in einer unbekannten Stadt vergleichbar. Man steigt nicht unbedingt an der ersten Haltestelle ein, man kennt den Fahrer und die Reisegäste nicht (oft will man es gar nicht), man fährt ein paar Haltestellen mit und steigt wieder aus, um nach einiger Zeit den nächsten Bus zu nehmen. Die jungen Menschen stellen sich kurzfristige Ziele, wollen flexible bleiben, sich nicht endgültig binden.

Auf diese Bedürfnisse einzugehen und ihnen gerecht zu werden, erfordert Umdenken, Kreativität und keine Angst vor neuen Formen des Gemeindelebens. Sehr oft gibt es sie schon, aber man begegnet ihnen reserviert und misstrauisch, weil sie angeblich das alte und gewohnte kaputt machen und übersieht, dass sie eine Chance sind.

Der Erkundungsprozess bietet eine Gelegenheit diese Prozesse zu sehen (zu entdecken), sie zu analisieren und zu begreifen und als Potenzial für die Zukunft zu nutzen. Wir brauchen keine Angst vor den Veränderungen und vor der Zukunft zu haben. Wir brauchen keine Angst zu haben, dass wir etwas kaputt machen. Wenn wir nichts tun, dann geht viel mehr kaputt. Eins ist sicher, die Kirche wird in der Zukunft ganz anders sein als die, die wir heute kennen, aber sie wird die selbe Kirche sein.

Ihr Pfarrer
P. Sławomir Rakus SVD

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Unsere Gemeinde finden Sie in Dresden-Löbtau in der Bünaustraße 10, nahe der Kesselsdorfer Straße. Die nächstgelegene Haltestelle ist "Bünaustraße". Verbindungsauskunft