Liebe Schwestern und Brüder,  
Liebe Gemeinde,

st antonius pfarrer

eine unsichtbare Macht hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Man kann das Virus nicht sehen, nicht hören, nicht riechen und nicht fühlen und doch ist es da. Menschen sterben daran.
Unser Alltag ist gewaltig beeinflusst, eingeschränkt und geregelt durch Sicherheitsbestimmungen. Viele wollen diese Realität nicht wahrhaben, bagatellisieren oder missachten die Vorschriften der Behörden, akzeptieren nicht die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Damit setzen sie sich selbst und viele andere der Gefahr aus, angesteckt zu werden.

Auch das religiöse Leben unserer Gemeinden droht zum Erliegen zu kommen. Das gemeinsame Beten in den Zeiten der Not ist für viele eine Quelle der Kraft. Gerade die Mitte des Gemeindelebens, die gemeinsame Eucharistiefeier ist nicht mehr möglich. Das tut vielen von uns weh.

Die ersten Reaktionen auf diese Situation sind die Beistandsbekundungen und Lebenszeichen der Seelsorger (Bischöfe, Pfarrer, Ordensleute, Gemeindereferenten/innen), um den Gemeindemitgliedern Trost und Zuversicht zu spenden.

Das Internet ist inzwischen voll von Gebetstexten, spirituellen Impulsen und den Versuchen, die gegenwärtige Situation theologisch zu deuten. Das ist die große Chance unserer Zeit, auf diese Weise doch verbunden zu bleiben. Aber es birgt auch die Gefahr, in Aktionismus zu verfallen, zu denken, dass durch die Multiplizierung der Internetaktivitäten die Situation besser oder beherrschbar wird.

Bei mir kommen die verschiedensten Erwartungen der Gemeindemitglieder an. Liebe Schwestern und Brüder, es ist mir bewusst, dass wir im Augenblick etwas erleben, was unser soziales Leben und damit auch unser religiöses Leben (unsere Frömmigkeit) grundlegend beeinflussen, ja sogar verändern wird. Ich persönlich habe keine allgemeingültige theologische Interpretation unserer jetzigen Situation anzubieten und auch kein Rezept für einen gelingenden religiösen Alltag. Ich bin in vielen Dingen, die von mir jetzt erwartet werden, völlig überfordert. Mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden St. Marien, St. Antonius, St. Paulus und St. Petrus in Dresden sagen, ich bin bei Euch. Ich bete jeden Tag für Euch. Ich zelebriere jeden Tag in der Kirche in Löbtau die Eucharistie für Euch alle und für alle Menschen.

Ich bitte Euch gerade jetzt zu Beginn dieser Ausnahmesituation um Geduld. Die uns auferlegte Isolation kann in der Mitte der Fastenzeit gerade eine Chance sein, das, was uns normalerweise nie gelingt, in Angriff zu nehmen, in die Wüste zu gehen. Was wir aus eigener Kraft nie geschafft hätten, dazu werden wir jetzt durch äußere Bedingungen gezwungen. Vielleicht ist diese Erfahrung wichtig, vielleicht ist sie notwendig. Eins ist sicher, wir hätten sie unter „normalen“ Umständen nie gemacht.

Schon bald werden wir Ostern feiern. Jesus ist auferstanden, Pandemie hin oder her. Es wird wahrscheinlich das ungewöhnlichste Osterfest im Leben der meisten von uns sein. Ich weiß auch noch nicht, wie wir es feiern werden, aber das wird in diesem Jahr nicht entscheidend sein. Das Entscheidende ist, ob wir es glauben, dass er auferstanden ist, denn das hat Konsequenzen in unserem Leben. Sie sind noch viel tiefgreifender als die Pandemie des Coronavirus.

Bleiben Sie gesund.

Ihr Pfarrer
P. Sławomir Rakus SVD

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So finden Sie uns

Unsere Gemeinde finden Sie in Dresden-Löbtau in der Bünaustraße 10, nahe der Kesselsdorfer Straße. Die nächstgelegene Haltestelle ist "Bünaustraße". Verbindungsauskunft

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... abstinent

Wir erleben gerade eine Menge an Einschränkungen: physische Nähe, Bewegungsfreiheit, Freizeitangebote, Berufsausübung, Sicherheiten, Schule, Gottesdienst, die heilige Kommunion… Das hätten wir uns so nicht ausgesucht und wir leiden unterschiedlich stark darunter.
Und doch höre ich in all dem  leise unausgesprochene Worte: „Aber das geht mir doch immer so. Täglich. Und schon eine lange Zeit. Und ohne die Fülle an kreativen Gegenentwürfen“.

Ich glaube, diese Worte kommen nicht vom anderen Ende der Welt, sondern ganz aus unserer Nähe...
Tatsächlich könnte diese Abstinenzphase, die wir uns nicht ausgesucht haben, uns hörender und sehender machen im Blick auf den Mangel, den der Mensch neben uns erleidet.

Und noch etwas: Ich höre hin und wieder bei alten katholischen Leuten den Begriff „Aufopfern“ in Bezug auf ihre Krankheiten und Gebrechen. Und das durchaus aus gütigen reifen Gesichtern. Etwas Bedrückendes in einen größeren Zusammenhang stellen. Es Gott hinhalten. Es verwandeln lassen, so wie bei der Gabenprozession. Gott macht was draus! Er ist ein Recyclingkünstler!

Meine engen Grenzen … – wandle sie in Weite; Herr, erbarme dich“.  GL 437
 

Volker Babucke / St. Antonius

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