Liebe Schwestern und Brüder,

st antonius pfarrer

Advent als die Zeit des Wartens kann man sehr unterschiedlich gestalten. Man kann sich passiv im Sessel oder auf der Cauch zurücklehnen und die Ereignisse vorbeiziehen lassen, den Augenblick genießen und in den Lauf der Dinge nicht eingreifen. Man kann aber das Warten auch aktiv gestallten. Die Augenblicke, Stunden und Tage mit Inhalt füllen, damit die Zeit schneller vergeht und das Warten nicht so monoton und lange wird. Aber womit sollen wir die Adventszeit füllen? Was sollte uns Christen das Warten auf Gott verkürzen?

Ich greife in den Tagen vor Weihnachten sehr gerne auf eine Geschichte zurück, die für mich inzwischen zu dem Bild des Advents und der Gottessuche geworden ist. Es ist „die Geschichte vom vierten König“. Neben der drei bekannten Königen aus dem Orient, machte sich noch ein vierter König aus Russland auf den Weg, um dem König aller Könige zu huldigen. Er nahm schöne und kostbare Geschenke, aus seinem Land mit. Es waren edelste Pelze, mehrere Säcklein mit Gold und Edelsteinen und ein Glas Honig von seiner Mutter. Alles war für das Kind bestimmt. Er ritt los, hinter dem Stern her. Er traf die anderen Könige, die aus dem Osten kamen und zog einige Zeit mit ihnen zusammen.

In einer Herberge wurde er aufgehalten durch eine arme Frau, die hungrig und krank war. Er schenkte ihr die Goldkörnen und einige Pelze zum anziehen. Inzwischen waren die anderen Könige abgezogen. So ritt er allein weiter. Überall aber, wo er auf Not traf, verschenkte er seine Goldkörner und Edelsteine. Er kaufte Sklaven frei, beschenkte Aussätzige, half den Überfallenen und Ausgeplünderten. Nach sehr langer Wanderung, auf der er alles verschenkte, was er besaß, blieb ihm nur noch das Glas Honig. Aber auch das wurde ihm in einer Nacht gestohlen. Als noch kurz vor dem Ziel sein kostbares Pferd von den Strapazen des Weges zusammenbrach, schämte er sich vor das Kind zu treten. Die Hirten nahmen ihn mit und als er vor dem Kind in der Krippe stand, die Armut sah und die Kälte der Nacht spürte, fragte er sich: Was hat das alles genutzt, Hungrige zu speisen, Nackte zu kleiden, Gefangene zu befreien und alles zu verschenken? Das Kind schaute ihn freundlich an und lächelte nur.

Liebe Schwestern und Brüder, manche von uns brauchen viel Zeit und einen langen Weg, um zu begreifen, was wichtig und was notwendig im Leben ist. „Die Geschichte vom vierten König“ ist für mich ein Hinweis, dass der Wert der Geschenke (besonders an Weihnachten) nicht am Gold oder Edelsteinen bemessen wird, sondern an einem Lächeln, das wir mit unseren Taten im Gesicht des Nächsten gezaubert haben.

Ich wünsche Ihnen eine gnadenreiche Adventszeit und ein Frohes gesegnetes Weihnachtsfest.

Ihr Pfarrer
P. Sławomir Rakus SVD

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